FARBMUSIK – Individuelle Mythologien im HKK Kunstraum Lebzelterhaus Vöcklabruck

Unter dem Titel FARBMUSIK untersuche ich in der kommenden Präsentation im HKK – Kunstraum Lebzelterhaus Vöcklabruck die Dynamik zwischen „Push and Pull“ – zwischen Nähe und Distanz, Spannung und Balance. Inhaltlich befasse ich mich erneut mit dem Thema Individuelle Mythologien im Zyklus von “Werden, Sein und Vergehen”. Kunst dient als symbolische Verwirklichung des Lebens und Farbe ist dabei die Sprache der Individuation.

Harald Szeemann, der das Konzept der individuellen Mythologien 1972 im Kontext der documenta 5 einführte, äußerte dazu:

„Es war zu erwarten, dass der Begriff Individuelle Mythologien, der mir 1963 bei der Einrichtung des Werkes von Etienne Martin in der Kunsthalle Bern einfiel, Verwirrung stiften wird, weil in ihm die Egozentrik den Anspruch erhebt, eine allgemeingültige Sprache zu sprechen, wobei die Form dieser Sprache nicht gegeben ist. Der äußeren Erscheinung nach sind die Individuellen Mythologien ein Phänomen ohne gemeinsamen Nenner, sind jedoch verständlich als ein Teil einer Vorstellung einer Kunstgeschichte der Intensität, die sich nicht an formalen Kriterien allein, sondern an der spürbaren Identität von Intention und Ausdruck orientiert. Die Abgrenzungen der Abteilung Individuelle Mythologien sind deswegen für den Betrachter unklar.“ (Szeemann, 1981 S. 88).

Individuelle Mythologien sind Selbstbefragungen. Das bedeutet jedoch nicht, nur um sich selbst zu zirkulieren. Sie spielen mit kollektiven Vereinbarungen im Verhältnis zum individuellen Erfahrungsraum. So setze ich den Begriff Individuelle Mythologien mit dem übergeordneten Thema der „Vergegenwärtigung“ gleich – das Wahrnehmen, das Anschauen und das bildhafte (Um)Formen sowie individuelle Fortschreiben von kulturgeschichtlichen Bezügen, Erfahrungsmustern und Motiven.

Samhain – Walk the Night II (Wintermond am Gleinkersee) 2019, Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm

Wenn ich von der Autonomie der Farbe spreche, die den ewigen Kreislauf von „Werden, Sein und Vergehen“ zum Ausdruck bringt, dann deshalb, weil die Prozesse des Lebens medial vermittelt sind. Um sinngemäß Worte von Thomas Macho (Österreichischer Kulturwissenschaftler und Philosoph) zu verwenden: Der Prozess des Sterbens ist immer unsichtbar. Wir sehen den Toten. Aber der Tod selbst bleibt ein medial vermittelter. Er kann letztendlich nur individuell erfahren werden. Das gilt ebenso für das Geborenwerden. Wer erinnert sich an seine Geburt? Oder den Übergang vom Wachbewusstsein in den Schlaf? Manchmal erleben wir Übergangsphasen, gespickt mit Bildern. Wir können schwer fassen, woher sie kommen und welche Bedeutung wir ihnen beimessen sollen. Auch wenn wir dafür Begriffe wie Unterbewusstsein, Hypnagogie oder Trance etablieren, bleiben diese Erfahrungen persönlich. Für mich ist die Farbe ein entsprechendes Mittel, um dieses Unsagbare zu erfassen, zu befragen und im besten Fall zu vermitteln.

Kunst diente in diesem Sinn von jeher dazu, dem Unsagbaren, dem an sich Unvermittelbaren eine Brücke zu schlagen. Wie wir über das Leben schreiben, malen, fotografieren, ist wandelbar. Darin liegt auch eine Chance, unsere kollektiven Vereinbarungen zu hinterfragen, neu zu ordnen, ein Wagnis einzugehen, sich auf das Unvorhersehbare einzulassen, um Erkenntnis und Entwicklung zu gestalten. Unsere Mythen, Geschichte(n) und Erzählungen basieren im Ursprung immer auf den Erfahrungen eines Einzelnen, die in der sozialen Gruppe (soziales Gedächtnis) kommuniziert werden und zur Übereinkunft kommen.

Darin liegt jenseits der gesellschaftlichen Ordnung, wie Politik, Ökonomie, Ökologie etc. eine große Autonomie und Selbstermächtigung. C. G. Jung, den ich seit Jahrzehnten immer wieder studiere, hat diese Autonomie als „Heldenreise“ bezeichnet. Unsere großen Mythen, religiösen und im weiteren Sinne spirituellen Erzählungen beschreiben letztendlich die Reise des Individuums durch das Leben. In diesem Sinne greife ich immer wieder Märchen, Mythen und Träume sowie historische Zusammenhänge auf und kopple sie mit dem aktuellen Zeitgeschehen und meinen persönlichen Lebenserfahrungen.

Der frühe Winter, 2019, Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm

Herzliche Einladung zur Vernissage am 3. 11. 2025, 18:30

Laudatio: Mag. Ingeborg Rauss

Ausstellungsdauer: 4. 11. – 15. 11. 2025

Montag – Samstag: 10:00 – 13:00

Hinterstadt 13 – 15

4840 Vöcklabruck

www. hausruckviertler-kunstkreis.at

www.farbebekennen.at

Samhain – Walk the Night I, 2019, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm

One response to “FARBMUSIK – Individuelle Mythologien im HKK Kunstraum Lebzelterhaus Vöcklabruck”

  1. Isabella SCHARF-Minichmair Avatar

    Ausstellungen MARKUS RIEBE “Minds and Machines”

    Eröffnungsabend Montag 3. November 2025 um 19 Uhr

    Eröffnung: Kulturreferentin StR. Dipl. Päd. Judith Pichlmann

    Zu den Arbeiten spricht: Hubert Nitsch

    (Referent für Kunstpastoral und Kulturarbeit der Diözese Linz)

    Eröffnungsabend 3. November 2025 ab 18.30 Uhr

    beide Ausstellungen sind bis 15. November 2025 zu sehen.

    Öffnungszeiten Galerie: Mo – Sa 10.00-13.00 Uhr. Eintritt frei.

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